Delegation der Deutschen Wirtschaft
AHK St. Petersburg

Moskau- St. Petersburg: Neue Highspeed-Strecke mit deutsch-russischen Zügen

04.10.2021

Das milliardenschwere Projekt zum Bau einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Moskau und St. Petersburg nimmt Fahrt auf. Um mit 400 Stundenkilometer die knapp 650 Kilometer lange Strecke zwischen den beiden russischen Metropolen innerhalb von zweieinhalb Stunden zurückzulegen, ist eine komplett neue Schnellzugtrasse nötig. Während die Behörden in beiden Städten noch über den Baustart und den Standort der neuen Bahnhöfe verhandeln, haben russische Ingenieure bereits einen Schnellzug mit deutschen Technologien konzipiert. 

Neue Bahnhöfe für neue Züge 

Ab Ende 2027 sollen die neuen Hochgeschwindigkeitszüge auf der 629,7 Kilometer langen Strecke fahren. Das meldete die russische Nachrichtenagentur TASS am 30. September unter Berufung auf das staatliche Programm zur "Entwicklung des Verkehrssystems", das im Staatshaushaltsentwurf für 2022-2024 veröffentlicht wurde. 

Mitte September hatte der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin den Bau eines neuen Bahnterminals am Komsomolskaja-Platz für die Highspeed-Züge angekündigt. 

Der Standort des neuen Bahnhofs in St. Petersburg steht noch nicht fest. Bekannt ist allerdings bereits, dass ein zwölf Kilometer langer Teilabschnitt auf der Strecke „Obuchowo - St. Petersburg-Glawny“ verlaufen soll, der bis 2024 gebaut wird. Die Russische Eisenbahnen AG hat bereits ein Genehmigungsverfahren in die Wege geleitet. 

Als wahrscheinlichster Standort für den neuen Bahnhof in St. Petersburg gilt das Lagerhausgelände am Ligowkij Prospekt 52. Die 17 Lagerhäuser wurden Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet und stehen seit 2001 unter Denkmalschutz. 

Die russische Staatsbahn hat sich dazu verpflichtet, die gesetzlichen Bestimmungen zur Nutzung historischer und kultureller Stätten sowie die Meinung der städtischen Behörden zu berücksichtigen. Derzeit stelle sich die Frage nach der Beteiligung ausländischer, insbesondere deutscher Unternehmen, am Bau des Bahnhofs in der Planungsphase noch nicht, betonte ein Vertreter der Russischen Eisenbahnen AG. 

Wie Evgeny Makarov, AHK-Projektleiter bei der Deutschen Initiative für den Hochgeschwindigkeitsverkehr (HGV), uns mitteilte, laufen bereits Verhandlungen über eine mögliche Beteiligung deutscher Unternehmen an der künftigen Planung, dem Bau und dem Betrieb der neuen Bahnstrecke. Doch bisher wurden noch keine konkreten Vereinbarungen getroffen. Die wichtigsten technischen Entscheidungen werden im kommenden Jahr erwartet.

Deutsches Know-how und hoher Lokalisierungsgrad 

Während die Behörden also noch Planungsfragen beschäftigt sind, wird im Zentrum für Eisenbahntransporttechnik (ZEBT) bereits an dem Modell für den neuen Hochgeschwindigkeitszug gearbeitet, einem Gemeinschaftsunternehmen der RŽD und der Maschinenbaufirma Sinara. ZEBT-Spezialisten definieren gegenwärtig die Planungsschritte, deren Inhalt, den Zeitplan sowie die technischen Vorgaben für Siemens Mobility für den Bau der Highspeed-Züge. 

Die Besonderheiten des Projekts sind die größere Spurweite von 1520 mm und das frostige Klima in der Winterzeit. "Die Ingenieurteams von Siemens Mobility und ZEBT treffen sich regelmäßig zu Online-Workshops, um technischen und technologischen Lösungen für den künftigen Zug zu erarbeiten. So entsteht ein Produkt, das alle Anforderungen in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht sowie in Bezug auf die Geschwindigkeit erfüllt", berichtete ein Vertreter von Siemens Mobility der AHK Russland. 

Das Unternehmen betont, dass es verfrüht sei, die Frage der Direktinvestitionen zu diskutieren. Siemens Mobility investiert jedoch bereits aktiv technische Ressourcen in das Projekt. Die Innovationen des deutschen Unternehmens werden die Fahrtsicherheit verbessern und eine kontinuierliche Überwachung des Zustands der verschiedenen Zugkomponenten gewährleisten, wodurch der Verkehr immer intelligenter wird. Für eine endgültige Auflistung des Know-hows in der Konstruktionsphase sei es aber noch zu früh, so ein Siemens-Vertreter. 

"Die Zusammenarbeit im Bereich der Bahntechnik ist ein Paradebeispiel für die sektorale technologische Kooperation zwischen Russland und Deutschland, die immer mehr an Dynamik gewinnt. Knorr-Bremse gehört zu dem beeindruckenden Kreis deutscher Bahntechnikhersteller, die ihre Produktion in Russland lokalisiert haben und produziert seit Kurzem Bremssysteme in der Region Leningrad. Es liegt auf der Hand, dass ihre Produkte bei neuen Großprojekten sehr gefragt sein werden", so Wladimir Nikitenko, Direktor der AHK-Filiale Nordwest und stellvertretender Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Russland. 

Die Hochgeschwindigkeitszüge werden im Werk von LLC Ural Locomotives, einem Joint Venture der Sinara-Gruppe und Siemens, hergestellt. Der Lokalisierungsgrad des Projekts wird deutlich, sobald die Russische Eisenbahnen AG bestimmt hat, wie viele Züge produziert werden sollen. Ausschlaggebend sind die technischen Merkmale und Anforderungen an die Zugkomponenten sowie die Verfügbarkeit lokaler Lieferanten, die bereit sind, diese Anforderungen zu erfüllen. 

"Aber natürlich ist die Lokalisierung eine der Prioritäten bei der Entwicklung unseres Unternehmens in Russland, und bei der Entwicklung eines neuen Zuges werden wir versuchen, die so weit wie möglich zu gewährleisten“, betonte Siemens Mobility.