Industrie 4.0 – Geschäftsreise nach Deutschland ist erfolgreich gelaufen

Vom 13. bis zum 17. Mai hat die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer für die Teilnehmer des Programms „Advanced Management RANEPA“ die Geschäftsreise „Industrie 4.0“ nach Deutschland organisiert. Eine ganze Woche lang haben die Finalisten des Wettbewerbs „Leaders of Russia“ digitale Lösungen für Herstellungsprozesse in deutschen Unternehmen erforscht.

Deutschland ist ein Land weltbekannter Forscher, Ingenieure und begabter Unternehmer wie z. B. Carl Benz, Ferdinand Porsche, Gottlieb Daimler, Robert Bosch oder Andreas Stihl. Ausgerechnet hier wurde erstmals über die Implementierung neuer Prinzipien der Herstellungsorganisation gesprochen, die unter der allgemeinen Bezeichnung „Industrie 4.0“ zusammengefasst werden. Die vierte industrielle Revolution ist gekennzeichnet durch die massive Einführung cyberphysischer Systeme in die Produktion und andere Lebensbereiche. Im Rahmen der Geschäftsreise „Industrie 4.0“ wurde diskutiert, was die Begrifflichkeit „Industrie 4.0“ wirklich ausdrückt und welche Themen sie abdeckt. Jan Gudat von EY hat die Industrie 4.0 als die „Verbindung aller produktionstechnischer Aspekte in ein gemeinsames Ökosystem für die Erhöhung der Wertschöpfung“ bezeichnet. Die Delegationsteilnehmer sind sich darüber einig geworden, dass heute das Hauptproblem für die Digitalisierung von Produktionsprozessen bei fehlenden standardisierten Plattformen des IoT (Internet of Things) liegt. Sobald diese Plattformen aufkommen, wird sich auch der Markt verändern.

Im Laufe der Woche hat die Delegation die Produktionsprozesse der Unternehmen Lechler, Kärcher, WTO, Bosch und Erismann besichtigt – alles Privatunternehmen mit langer Geschichte, Hersteller komplexer technologischer Produkte.

Das Unternehmen WTO ist auf deutsche Weise konservativ, hat aber gleichzeitig eine sehr moderne Produktion aufgebaut. Fast alles ist robotisiert und umweltfreundlich. Für Heizung und Kühlung der Gebäude wird die Abwärme von Werkzeugmaschinen benutzt sowie Solarenergie. Das Unternehmen wird bereits im nächsten Jahr CO²-neutral sein. Die „Leaders of Russia“ haben auch den Forschungscampus des Unternehmens Bosch besucht, das jährlich 7,3 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert. Die Teilnehmer konnten zukünftige Technologien und Produkte aus den Bereichen 3D-Printing und Cyber Security kennenlernen.

Auch die Herstellung von Tapeten erlebt zurzeit einen Strategiewandel. Zum einen werden die Fensterflächen im Wohnungsbau immer größer, zum anderen ändert sich der Geschmack der Käufer. Die Teilnehmer der Geschäftsmission „Industrie 4.0“ konnten sich von diesem Trend überzeugen, als sie das älteste deutsche Unternehmen der Tapetenherstellung „Erismann und Cie“ besuchten. An dem intensivsten Tag des Programms stand der Besuch der „Smart Factory OWL“ an. Die Factory ist ein Labor für Lösungen im Zeichen der Industrie 4.0 für die Bereiche Prozessautomatisierung, 3D-Printing und Robotisierung von verschiedensten Operationen.

Trotz der Intensität des Hauptprogramms konnten die Teilnehmer die Kultur und Traditionen deutscher Bundesländer besser kennenlernen: Sie haben die berühmten Thermalbäder von Baden-Baden besucht, haben die schier endlosen Rapsfelder im Schwarzwald beäugt und die Sehenswürdigkeiten von Stuttgart schätzen gelernt.

Wir bedanken uns bei EY, der IHK Stuttgart und der IHK Karlsruhe für die organisatorische Unterstützung dieser Geschäftsmission!

Wladimir Nikitenko, Stv. Delegierter der deutschen Wirtschaft in Russland
Wladimir Nikitenko, Stv. Delegierter der deutschen Wirtschaft in Russland

Wir haben uns gefreut, russische Top-Manager mit den deutschen Traditionen der Produktion bekannt zu machen. Die Geschäftsreise in die Heimat der Industrie 4.0 hat gezeigt, dass Unternehmen neue Technologien schrittweise einführen, um auf jeder Etappe die Wirtschaftlichkeit und Effizienz der Prozessautomatisierung zu prüfen. Chancen, die russische Industrie zu entwickeln, liegen vor allem darin, bereits existierende und getestete industrielle Lösungen einzuführen – ohne jeglichen Zeitverlust für die Überprüfung ihrer Effektivität.

Witalij Baskin, Entwicklungsdirektor in China, SPLAT
Witalij Baskin, Entwicklungsdirektor in China, SPLAT

Ich bin nicht direkt mit der Produktion verbunden und das Thema Industrie 4.0 war mir wenig bekannt. Dank der Delegationsreise habe ich meine Vorstellung über Industrie 4.0 weitgehend ausgebaut. Außerdem hat mir der Austausch innerhalb der Gruppe geholfen. Dies war meine erste Reise nach Deutschland. Ich habe nicht nur mehr über die Geschäftsprozesse erfahren, sondern auch allgemein über die Kultur des Landes. Sehr interessant war es, sich mittelständische Unternehmen anzuschauen, die sogenannten „Hidden Champions“, welche in ihrer Nische Weltmarktführer sind. Mich hat auch die Politik der deutschen Regierung in Bezug auf die Unterstützung dieser Unternehmen beeindruckt. Es war sehr interessant, über die Tätigkeit des AHK-Netzes zu erfahren, welches zu den welteffizientesten Netzwerken gehört.

Marina Schermet, Executive Education Director der Fakultät für internationale MBA-Programme der RANEPA, Leiterin des Advanced-Management-Programms
Marina Schermet, Executive Education Director der Fakultät für internationale MBA-Programme der RANEPA, Leiterin des Advanced-Management-Programms

Das Advanced-Management-Programm (www.advancedmanagement.ru) sieht die Durchführung von auswärtigen Modulen vor. Ein solches Modul wurde dem Erlernen der in Deutschland bei der Implementierung digitaler Produktionslösungen gemachten Erfahrungen gewidmet.

Nach Abschluss der Geschäftsreise kann man feststellen, dass das Programm inhalts- und organisationstechnisch auf höchstem Niveau durchgeführt wurde und zugleich ausbalanciert war. Jeder Besuch war von geistreicher Diskussion seitens der Gastgeber begleitet; es wurde nach gemeinsamen Lösungen gesucht. Einen riesigen Dank dem Team der AHK-Russland für die professionelle Arbeit!

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