Industrie 4.0 – Delegation besuchte Industrieunternehmen in Deutschland

Vom 5. bis zum 8. November reiste eine Delegation russischer Unternehmen nach Nordrhein-Westfalen, um sich dort mit dem Thema Industrie 4.0 zu beschäftigen. Im Laufe des von der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer St. Petersburg organisierten Besuches tauschte sich die Delegation mit zahlreichen Experten aus Forschung und Wirtschaft über die Digitalisierung der Industrie aus und besichtigte die Produktionsstätten führender Industrieunternehmen.

Alle drei besuchten Unternehmen sind Mitglied der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer und haben mithilfe einer Sonderinvestitionsvereinbarung von russischer Seite (SPIK) erfolgreich in die dortige Wirtschaft investiert und ein eigenes Werk eröffnet. Ein Vertreter des vierten deutschen SPIK-Unternehmens WILO nahm an der Delegation teil. Damit stand das Programm der Reise stellvertretend für die deutsch-russische industrielle Zusammenarbeit.

Das thematische Briefing „Industrie 4.0“ am ersten Tag bot eine Einführung zum aktuellen Stand der Digitalisierung in Unternehmen und Produktion. Wie ein Gespräch mit Jan Gudat (Ernst & Young) ergab, ist die vierte industrielle Revolution, nach Mechanisierung, Elektrifizierung und Automatisierung, geprägt von einer exponentiell steigenden Komplexität. Die Vernetzung von Menschen, Maschinen und Logistik in Echtzeit hat das Potential, operative Effizienz zu steigern, Benutzererfahrungen zu verbessern und neue Umsatzmodelle zu ermöglichen. Die Grundlage hierfür ist die Verfügbarkeit von Daten. Tatiana Vukulova (Rödl & Partner) machte die Delegationsteilnehmer mit der Rechtslage der Datennutzung in Russland vertraut. Welchen Beitrag gerade Nordrhein-Westfalen zur Weiterentwicklung der Industrie 4.0 leisten kann, erörterte Aaron Röschke (Russland Kompetenzzentrum bei der IHK zu Düsseldorf) in seinem Vortrag zur Wirtschaftsstruktur NRWs. Den ersten Tag der Delegationsreise ließen die Teilnehmer in entspannter Atmosphäre im Deutsch-Russischen Wirtschaftsclub Düsseldorf ausklingen, der ihnen Gelegenheit bot, Vertreter der regionalen Wirtschaft kennenzulernen.

Die FMB Zuliefermesse Maschinenbau führt jährlich Konstrukteure, Entwickler und Einkäufer zusammen und präsentiert die neusten Entwicklungen und Produkte der Branche. Auch unsere Delegation nahm am zweiten Tag der Reise an der Fachmesse teil, die aufgrund der Vielfalt ihrer Aussteller und Fachbesucher einen bleibenden Eindruck hinterließ. Unter anderem wurden Anlagen demonstriert, die sich per Sprachbefehl steuern lassen und sich dabei automatisch an verschiede Sprachen anpassen, wie auch ganz pragmatische Lösungen, so zum Beispiel ein Koffer, der eine analoge Anlage Industrie-4.0-tauglich und deren Daten verfügbar macht.

Ein weiteres Highlight des Tages stellte die Besichtigung des Werkes des AHK-Mitgliedsunternehmens DMG MORI in Bielefeld dar. Das appbasierte Bedienungssystem CELOS ist eine von vielen ausgereiften Digitalisierungsentwicklungen. Das System bietet die Möglichkeit, Maschinen digital und vernetzt zu steuern sowie vergangene Arbeitsaufträge jederzeit abzurufen. DMG MORI hat die Produktion auch in Russland lokalisiert und stellt dort bereits 300 Maschinen pro Jahr her.

Am Donnerstag empfing CLAAS in Harsewinkel die Delegation. Nach einer Besichtigung der Produktionsstätte kam es im „Greenhouse“, der Kreativzentrale, in der neue Ideen und Technologien ausgesät werden und heranwachsen, zum Austausch mit der Geschäftsführung und Mitarbeitern aus der Entwicklung. Jan-Hendrik Mohr, Geschäftsführer im Bereich Getreideernte, erklärte, dass CLAAS nicht nur die eigene Fertigung, sondern auch die Arbeit der Landwirte digitalisiert. Als Beispiele nannte er selbstfahrende Erntemaschinen und Systeme zur Qualitätsüberwachung der Ernte in Echtzeit.

Im Anschluss stand der Besuch der „SmartFactoryOWL“ an. Das Labor erarbeitet Lösungen im Zeichen der Industrie 4.0 in den Bereichen Prozessautomatisierung, 3D-Printing und Robotisierung von verschiedensten Operationen.

Die Besichtigung der Sprinterfertigung von Mercedes-Benz in Düsseldorf am letzten Tag schloss die Delegationsreise ab. Dort werden täglich fast 700 Transporter in über 1000 möglichen Ausfertigungen montiert. Hierbei stellte sich noch einmal deutlich heraus, wie Industrie 4.0 besonders bei Detailprozessen stark zur Performance beitragen kann: Tablets ersetzen hunderte Laufzettel pro Fahrzeug, digitale Drehmomentschlüssel dokumentieren jeden Handgriff.

Der Besuch in Nordrhein-Westfalen bot den Vertretern der russischen Unternehmen einen interessanten Einblick in die industrielle Produktion des Bundeslandes und zeigte ihnen auf, wie die Industrie 4.0 dort umgesetzt wird. Zahlreiche Networking-Gelegenheiten bildeten die Grundlage für eine künftige enge Zusammenarbeit zwischen russischen und deutschen Unternehmen, die für eine weitere.

Implementierung der Industrie-4.0-Ansätze und damit auch die Zukunftsfähigkeit der Industrie unabdingbar sind.

Wir bedanken uns bei EY, dem Russland Kompetenzzentrum und der IHK Ostwestfalen für die organisatorische Unterstützung der Geschäftsmission.

 

 

Pawel Filippenkow, Technischer Direktor, Wilo Rus
Pawel Filippenkow, Technischer Direktor, Wilo Rus

„Sehr gut durchdachte und organisierte Reise. Es wurden die interessantesten Unternehmen für den Besuch ausgewählt - die Flaggschiffe der deutschen Industrie: Mercedes-Benz, DMG-Mori, Claas. In jedem Unternehmen wurde unsere Delegation von einem Mitarbeiter empfangen, der bereit war, die für uns interessanten Themen zu diskutieren. Auch die Führungen durch die Produktionsstätten überzeugten durch ihren durchdachten Aufbau und kompetente Begleitung. Daran lässt sich die Organisation im Vorfeld erkenne. Erwähnenswert ist auch die sehr effiziente Nutzung der Reisezeit: In dreieinhalb Tagen konnten wir drei große Unternehmen und eine Universität besuchen sowie an einer thematischen Einführung und einer Messe teilnehmen. Mein Dank gilt den Organisatoren der Reise sowie dem Management der Unternehmen, die an unsere Delegation empfangen haben. Besonders danke ich auch der Geschäftsleitung der CLAAS Produktionsstätte in Harsewinkel und persönlich Herrn Mohr, einem Mitglied des Konzernvorstands, für ein sehr interessantes und informatives Gespräch.“

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